digitale mappenberatung

Schon nächste Woche findet meine Abschlussprüfung statt, ich habe dann erfolgreich meine 3-jährige Ausbildung in der Medienwerkstatt abgeschlossen. Aber was kommt danach?

Ich möchte studieren. Kommunikationsdesign – also passend zur Ausbildung. Da ich aber nur meinen Realschulabschluss habe, gibt es für mich 2 Wege:

  1. Meine Fachhochschulreife nachholen um mich an Fachhochschulen bewerben zu können.
  2. Durch Abgabe einer Mappe eine „besondere künstlerische Begabung“ beweisen und dadurch auch nur mit Realschulabschluss an einer Hochschule angenommen werden.

Welcher der beiden Wege es für mich wird, war mir lange unklar. An meiner Mappe habe ich trotzdem gearbeitet, allerdings ist es mir neben der Ausbildung und der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung ziemlich schwer gefallen. Ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt eine Chance habe. 

Zum Glück bieten Hochschulen und Universitäten, bei denen Mappen zur Bewerbung abgegeben werden müssen, sogenannte Mappenberatungen an. Normalerweise geht man dort an einem bestimmten Termin hin, bringt seine Mappe mit, und bespricht sie mit den Professoren der jeweiligen Hochschule. 

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Durch die aktuelle Corona-Situation ist das aber natürlich nicht möglich gewesen. Die Lösung? Eine digitale Mappenberatung. 

Ich habe das sofort als Chance gesehen. Vorher hätte ich durch meine Arbeitszeiten keine Chance gehabt, unter der Woche einfach mal so in eine weit entfernte Stadt zu fahren um an einer Mappenberatung teilzunehmen. Nun war es einfacher. Ich konnte einfach ganz bequem von zu Hause aus teilnehmen! Aber wie hat das Ganze funktioniert? Auch ich war ziemlich gespannt.

Um teilnehmen zu können, musste man im Voraus eine digitale Version der Mappe einreichen – das heißt Fotos der Arbeiten zusammengefügt in einer PDF-Datei. Daraufhin erhielt ich eine E-Mail inklusive Datum, Uhrzeit und einem Link fürs Zoom-Meeting.

Am Tag der Beratung ging es auch direkt pünktlich los. Ich saß an meinem Schreibtisch und war via Zoom eingeschaltet. Die Konferenz geleitet haben zwei Professoren der Hochschule. Es gab mehr Teilnehmer als bei Mappenberatungen üblich, wir waren insgesamt 26. Dadurch, dass das Ganze digital stattfand, haben viel mehr Leute tatsächlich die Möglichkeit, daran teilzunehmen. Viele wohnen sonst einfach zu weit weg.

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Anders als bei üblichen Beratungen und vermutlich einer der einzigen Nachteile, war die Tatsache, dass man die Mappen der anderen Teilnehmer nicht sehen konnte. Aufgrund von Datenschutz war das leider nicht möglich (da z.B. ja jeder unbemerkt Screenshots der Arbeiten der Anderen hätte machen können). Stattdessen hat man das Feedback nur gehört, aber auch das war schon hilfreich. Für jeden Teilnehmer haben sich die Professoren ca. 20 Minuten Zeit genommen. Toll fand ich auch, dass sie wirklich jeden Teilnehmer beraten haben, obwohl so viele teilgenommen haben und die eigentlich geplante Zeit von 2 Stunden so auf 4 Stunden verlängert wurde. 

Ich kam nach ca. 1 ½ Stunden dran, also relativ früh. In meiner Mappe hatte ich einfach mal alle meiner Arbeiten gesammelt (Projekte, die ich innerhalb der Ausbildung angefertigt habe, Auszüge aus meinem Skizzenbuch, digitale Zeichnungen, Fotografien und auch Experimentelleres), und gehofft, Tipps zu bekommen, in welche Richtung ich mich konzentrieren soll. Genau das haben die Professoren auch getan. Teilweise war das sehr unerwartet. Meine digitalen Zeichnungen sind zum Beispiel gar nicht so gut angekommen, außer wenn sie experimenteller waren (z.B. habe ich einmal eine Figur durch Copy & Paste mehrmals in bestimmten Mustern angeordnet – das kam dann wieder gut an). Dafür habe ich für meine Skizzen super Feedback bekommen, und mit dem Rat mich mit dem Thema Storytelling auseinanderzusetzen wurde mir deutlich empfohlen, mehr auszuprobieren. Ich hätte ja noch Zeit bis zur Abgabe der Mappe.

Leider habe ich genau das nicht – Zeit. Meine Abschlussprüfung beginnt nächste Woche. Und wenn sie zu Ende ist, ist auch die Bewerbungsdeadline bei den Hochschulen schon beendet. Allerdings hat mich die Mappenberatung so motiviert und dafür begeistert, noch mehr auszuprobieren, dass ich beschlossen habe, mir die Zeit zu nehmen.

Nächstes Jahr werde ich also zunächst meinen Medienfachwirt machen, und nebenbei intensiv an meiner Mappe arbeiten. Gleichzeitig erwerbe ich meinen Ausbilderschein und die Fachholschulreife – kann mich also im Jahr danach bei mehr Hochschulen bewerben.

Vielleicht war das Ziel der Mappenberatung ein anderes – nämlich die Bewerber auf das Einreichen der Mappe für das nächste Semester vorzubereiten – aber mich hat es trotzdem enorm weiter gebracht; in meinen Entscheidungen wie es für mich weitergeht.

Eure Meike